Es ist schon seltsam, wenn man nach 9 Monaten absoluter Trockenheit wieder einmal Regen vom Himmel fallen sieht. Und es ist schön, erfrischend, labend, herrlich! Die Kinder tanzen unter dem ersten Regen. Er ist warm, es macht grossen Spass! Manchmal tanze ich mit. Ja, in der Regenzeit ist es heiß (30-40°C), und zwischen den Regen sehr, sehr schwül. Die Hitze drückt einen schier zu Boden. Vor allem aber drückt sie den Schweiß aus allen Poren. Schon allein wenn ich daran denke, dass ich mich auch nur erheben soll, beginne ich zu schwitzen. Allerdings gewöhne ich mich daran, dass der Schweiß läuft. Er läuft ja auch bei allen anderen Menschen gleichermaßen. Jeder hat so seine Gewohnheiten, wie er oder sie damit umgeht. Ich trage in der Regenzeit immer einen Fächer und einen kleinen Waschlappen in meiner Tasche mir mir herum. Mit dem Waschlappen wische ich mir den Schweiß vom Gesicht, mit dem Fächer kann ich mir Kühle zuführen, wo immer ich bin. Ein schöner, spanischer Fächer, den ich zusammen klappen kann. Sehr praktisch.
Wunderschön auch, nach dem ersten Regen, wenn der ganze Staub, der überall lagerte, herunter gewaschen wird. Nach dem ersten Regen sieht die Welt wundervoll aus. Klar, sauber, frisch! Der Himmel strahlt blauer als blau, das Meer ebenfalls.
Wenn die Regenfälle zu häufig und zu heftig sind, gibt es einiges an Problemen zu bewältigen. Durch die anhaltende Trockenheit, ist das Abwassersystem gefüllt mit Sand oder Müll. Die Regierung „vergisst“ meist, diese Kanäle rechtzeitig zu säubern. Dadurch sind viele Orte und Quartiere sofort überschwemmt. Oft werden ganze Straßenzüge in der Regenzeit unbewohnbar. Die Bevölkerung muss evakuiert werden. Sie werden, da ja große Schulferien sind, in Schulhäuser einquartiert. Dies verschiebt oft den Beginn des Schuljahres, weil die Bewohner noch nicht in ihre Häuser zurück können. Zur Freude der Kinder, die sich in den Ferien am Strand tummeln.
Das Hauptproblem, warum es immer wieder zu grösseren und kleineren Katastrophen kommt, sobald die ersten Regen fallen, liegt wohl in der Weigerung der Leute, voraus zu schauen und vor zu sorgen. Die Angst ist gross, wenn man Prävention betreibt, ruft man das Unglück erst recht herbei. Es ist besser, nicht daran zu denken, nicht darüber zu sprechen und zu beten, dass Gott einen vor dem Schlimmsten verschonen wird. Für mich als Europäerin ist es mitunter schwer, damit gelassen um zu gehen. Aber auch heilsam, zu erleben, dass vieles was ich befürchtet hatte, dann schlussendlich gar nicht zu traf. Also doch öfter beten?
Die Regenzeit ist hier physisch sehr anstrengend. Ich ermüde viel schneller. Mein Tagesrhythmus ändert sich. Ich kann vor Mitternacht, ein Uhr nicht schlafen gehen, dazu ist es zu heiß. Morgens stehe ich möglichst früh auf, um von der kühlen Morgenluft zu profitieren. Dafür mache ich, wenn immer möglich eine Siesta während der heißesten Zeit des Tages. Da komme ich nicht umhin, auf Dauer an Schlafmangel zu leiden. Es geht mir Ende Regenzeit wie früher in der Schweiz im März. Ich fühle mich ausgelaugt, müde und erschöpft. Die Menschen hier sehnen die kühlere Zeit herbei, wie die Menschen in Europa den Frühling. Wer kann fährt im Sommer für ein bis zwei Monate nach Europa, um dieser Hitze ein wenig zu entgehen. Die schlimmsten Monate sind September und Oktober. Temperaturen bis über 40°C und eine Luftfeuchtigkeit von bis zu 98%!
Und doch, ich mag die Regenzeit sehr gerne. In diesen 3-4 Monaten Regenzeit explodiert die Natur. Fast über Nacht sind ganze Landstriche grün, überall blühen Blumen. Die Natur wächst üppig, fett, farbig und satt grün. Die schon halb verhungerten Rinder, Schafe, Ziegen, Esel und Pferde fressen sich wieder einmal richtig satt. Ende Regenzeit sehen diese Tiere wieder rund und zufrieden aus, die hervorstehenden Rippen sind verschwunden. Ich sehe mich satt an all diesem Grün. Erfreue mich auch meines Gartens, in dem meine Pflanzen üppig gedeihen. Dies ist auch die Insektenzeit. Überall beginnt es zu krabbeln, fliegen, flattern, springen. Im Garten zirpen die Zikaden überlaut die ganze Nacht, dazu meist auch das Quaken der Frösche, wenn man in der Nähe des Wassers lebt, Hier am Meer kommen in der Nacht immer wieder riesige Krabben vom Strand her zu Besuch. Wundervolle Schmetterlinge flattern von Blume zu Blume, Natürlich vermehren sich auch die weniger beliebten Insekten, wie Kakerlaken, Mücken, Fliegen in dieser Zeit ungemein. In meinem Garten wimmelt es von Raupen aller Art, die Nacht ist bevölkert von Nachtfaltern und jagenden Fledermäusen. Ja, es keucht und fleucht ohne Pause in diesen Monaten.
Dann fällt irgendwann der letzte Regen. Die Sonne brennt wieder ohne Pause vom Himmel. Der Oktober wird nun wirklich heiss und feucht, sehr feucht. All die Wassertümpel, Flüsse, kleinen Seen trocknen langsam aus, die Pflanzen verdorren schnell und verschwinden. Die vorher grüne Landschaft ist wieder rot, gelb, sandig, staubig. Doch in 9 Monaten beginnt alles wieder von vorn…….
















Danke für diesen Einblick in eine Welt, die mir gänzlichst unbekannt. Worte und Bilder vermitteln sie so bonfortionös, daß mir im vorherbstelnden Deutschland die Erinnerung an die schwülen Hitzetage einheizte.
Herzliche Grüße, Ihre Frau Knobloch, herzlich zugetan.
Vielen Dank werte Frau Knobloch. Wenn meine Worte Sie erfreuen, motiviert es meinen Schreibgeist. Schwitzend, doch um so herzlicher, Ihre Madame Ruth