Waxaale……


Genau, Mann oder Frau muss immer Waxaale = Handeln. Nichts gibt es hier einfach so, zu einem festen Preis. Ausgenommen vielleicht in den Supermärkten, doch die sind ja nicht unbedingt afrikanisch. Ich spreche vom Markt: vom Gemüse-, Früchte-, Fleisch-, Fischmarkt. Oder vom grossen Markt, wo man alles bekommt was man so zum Leben braucht oder auch nicht braucht.

Ja, da gibt es ganz unterschiedliche Preise. Die Preise für die Senegalesen, die Preise für die Toubabs (=Weisse) mit Senegal-Erfahrung und die Preise für die Touristen. Diese sind meist fünf- bis zehnmal überhöht. Wohl wissend, dass die Touristen sich nicht getrauen, wirklich zu handeln, da sie auch nicht die Preise kennen, wird hier so richtig abgesahnt. Ich finde das zwar nicht gerade die feine Art, doch wenn ich dann vernehme, welche Preise manchmal gezahlt werden, dann kann ich die Leute hier auch ein wenig verstehen. Es gibt eben keine Richtlinien, keine Anhaltspunkte. Da muss man einfach waxaale.

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Schön und gut, doch wie muss ich denn handeln? Wie geht das denn überhaupt? Viele Touristen finden es schlimm, für jedes noch so kleine Objekt immer und überall die Preise zu verhandeln. Bin ich dann nicht wieder ein ausbeuterischer Weisser, der auf dem Rücken der Afrikaner profitieren will? Die sind doch so arm, haben ja nichts…..

Keine Sorge, die Afrikaner denken sich ja auch etwas. Zum Beispiel, dass diese Weissen viel Geld haben, dass sie auf alle Fälle davon profitieren möchten. Schliesslich sind sie ja die armen Afrikaner, denen müssen die ach so reichen Weissen ja auf alle Fälle helfen. Dazu sollte man zum Beispiel wissen, dass der Afrikaner in der Regel nicht zum Vergnügen reist. Er reist, um seine Familie zu besuchen, um Geschäfte zu machen, um sich medizinisch versorgen zu lassen, usw. Für ihn sind die Weissen, die ausschliesslich für ihr Vergnügen reisen, einfach nur reich. Die dürfen dann auch überhöhte Preise zahlen.  😉

Ja, aber das hilft nun noch nicht wirklich weiter! Wie muss, soll oder darf Mann oder Frau sich nun verhalten? Eines ist klar: Sie können nichts kaufen, wenn der Preis zu niedrig ist! Also darf man wirklich tief unten anfangen. Ausserdem merkt man im Verhalten sofort, wenn man zu tief gegangen ist. Der Händler wird dann sehr bestimmt abweisend. Wenn dem so ist, geht man langsam wieder mit seinem Preis hoch. Achtung, immer nur in 500 FCFA- Schritten! Nach jedem Entgegenkommen, sollte der Händler uns ebenfalls entgegen kommen. Noch etwas: bevor wir überhaupt beginnen, sollten wir für uns den maximalen Preis, den wir zu zahlen bereit sind festlegen und auf keinen Fall darüber hinaus gehen. Sonst haben wir bestimmt ein schlechtes Gefühl nach dem Kauf.  😀

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Ganz wichtig ist auch, dass wir niemals handeln sollten, wenn wir ein Objekt gar nicht kaufen wollen! Wenn wir mitten im verhandeln aussteigen, ärgert sich der Händler. Das wäre schlicht unhöflich. Ich helfe mir in diesem Fall so, dass ich einfach auf einem zu tiefen Preis bestehe, den er bestimmt nicht akzeptiert. Denn wenn wir uns nicht einig werden, muss ich das Objekt nicht kaufen.  😉

Das Handeln hat auch noch einen ganz anderen, einen meines Erachtens sehr netten Aspekt: Es schafft Kontakte, Beziehungen. Man kommt dabei mir den hiesigen Menschen ins Gespräch. Man muss sich Zeit nehmen, sich einlassen auf die Diskussion, den Händler, die Situation. Oft kommt es zu Gesprächen, die weiter  führen. Wir erfahren etwas über die Herstellung der Produkte, über die Familie des Händlers und so weiter. Handeln hat auch mit Respekt den Menschen gegenüber zu tun.

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Respektlos finde ich allerdings den Händler, der mir einen total überrissen Preis nennt. Den lasse ich in der Regel einfach kommentarlos stehen. Er ruft mir dann sicher zu, dass man hier in Afrika verhandeln muss. Meine Antwort ist jedoch kurz angebunden, dass ich nicht Zeit hätte, bis morgen mit ihm zu diskutieren, bei diesem überhöhten Preis. Ich bleibe konsequent und gebe ihm zu verstehen, dass ich das Objekt wahrscheinlich gekauft hätte, wenn er mir einen verhandlungsfähigen Preis genannt hätte.

Für Touristen, die zum ersten Mal nach Afrika kommen, ist es vorteilhaft, sich einen vertrauenswürdigen Führer zu nehmen, der dann auch einigermassen akzeptable Preise verhandelt.

Ich möchte Sie wirklich einladen, sich im Handeln zu versuchen. Es gehört hier zum alltäglichen Leben, der Austausch macht Spass, wenn wir es mit Humor und Leichtigkeit machen. Haben Sie Mut, versuchen Sie es! Es kann dabei ja kaum etwas schief gehen. Denn wenn ich das besagte Souvenir nicht kaufen kann, bekomme ich ein paar Schritte weiter ein anders. Denken Sie immer daran, Sie müssen überhaupt nichts kaufen! Auch wenn der Händler Ihnen oft das Gegenteil klarmachen will…..      😀

 

7 Gedanken zu “Waxaale……

  1. Liebe Ruth,

    das ist ein ganz zauberhafter Artikel, ich habe ihn sehr genossen. Einfach so liebevoll, witzig und realitätsnah, 🙂

    Viele Grüße von Rosi.

    PS: wir kommen im November zu Dir, hoffentlich ist noch ein Zimmer der „Superklasse“ 🙂 frei? Ich melde mich die Tage dazu bei Dir, denn wir schauen noch, wie die Flüge am günstigsten sind.

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