Ramadan


Nun sind wir wieder im Fastenmonat Ramadan. Schlagartig hat sich der Rhythmus des Alltags verändert. Tagsüber sieht man kaum Leute auf den Strassen. Unser Strand ist praktisch menschenleer. Phlegmatisch sitzen die Wächter in unserer Strasse im Schatten, sprechen nicht viel, dösen vor sich hin. Alles geht langsamer vonstatten. Die Menschen sind in der Regel früh bei der Arbeit, beenden jedoch den Arbeitstag bereits um 16/17 Uhr. Dann beginnt man die Nervosität zu fühlen. Alle haben es eilig, nach Hause zu kommen. Bei den grossen Bäckereien mit dem feinen Brot oft mehrere 100 Meter lange Schlangen. Ewig langes Anstehen, um ein Brot zu ergattern. Auch die Supermärkte sind sehr gut besucht. Der Ansturm ist so gross, dass die Eingangstüre zeitweilig geschlossen werden muss, damit man drinnen noch aneinander vorbei kommt. Die Klimaanlagen machen schlapp, es herrscht ein tropischen Klima im Laden. Die Nahrungsmittel Geschäfte verdienen im Ramadan so viel, wie sonst das ganze Jahr. Ab spätestens 17 Uhr sind die Strassen völlig verstopft.

Der Alltag ist sehr verlangsamt. Es wird schwierig, Dinge zu erledigen, vor allem in den Ämtern. Auf den Strassen liegen am späten Nachmittag Menschen, die einfach irgendwo im Schatten schlafen und auf den Abend warten. Die Leute bewegen sich ausgesprochen langsam. Sogar die Autos fahren ab spätestens 15 Uhr langsam. Die Konzentration lässt nach, die Hitze macht zu schaffen. Ich verschiebe alles was irgend möglich ist auf nach dem Ramadan, alles andere hat nicht viel Sinn. Die Bars und Konzertlokale sind geschlossen. Die Frauen kleiden sich sehr sittlich und vermeiden alles, um nicht die Blicke der Männer auf sich zu ziehen. Die Senegalesinnen sind Meisterinnen darin, trotz allem sehr elegant aus zu sehen.

Restaurants und Fastfoods haben meist den Tag über geschlossen. Ausser einigen in der City, welche von Weissen besucht werden. Die meisten öffnen erst gegen Abend, sind dann jedoch praktisch die ganze Nacht offen. Doch auch so sind die Einnahmen dieser Lokale im Ramadan eher gering. Die Menschen bleiben in der Familie, unter sich.

Was ich jedoch sehr mag, ist all das, was den Ramadan so aussergewöhnlich macht.Der Ramadan ist Verzicht, Einkehr, Besinnung, Spiritualität, Zusammenhalt und friedliches Miteinander.  Von den meisten wird dies auch so gelebt.  Wie schön ist es, wenn die ganze Familie sich zusammen findet, um das Abendgebet zu sprechen und dann gemeinsam das Fasten zu brechen. Da gibt es Kaffee, Brot, Butter und Datteln, manchmal auch Käse oder Wurst. Es ist eine Wohltat, nach einem ganzen Tag Abstinenz, den ersten Schluck Wasser zu trinken, genüsslich einen Kaffee zu schlürfen und dazu einige Datteln und etwas Brot zu essen. Dabei sitzen die Menschen gemütlich beisammen und plaudern. Später gibt es dann noch eine warme Mahlzeit, die wiederum die ganze Familie gemeinsam einnimmt. Wer mag, steht auch sehr früh morgens wieder auf, um die letzte Mahlzeit zu sich zu nehmen und sich für den harten Tag zu stärken. Gemeinsamkeit und Zusammengehörigkeit, mit dem Nächsten teilen, dazu eine grosse Spiritualität machen den Ramadan zu einem wunderschönen Erlebnis.

Ich selbst faste nicht, bin nicht Muslimin, doch lassen mich die Menschen hier an ihrem Miteinander teil haben. Ich darf bei ihnen sitzen, darf mit ihnen geniessen. Niemand wird im Ramadan ausgegrenzt, alle gehören zusammen.

 

 

 

 

 

 

5 Gedanken zu “Ramadan

  1. Hallöchen,Mme Ruth.
    So ist es auf der ganzen Welt. Wie schön mal wieder von Dir zu hören.
    Hoffentlich geht es Dir und allen anderen gut! Liebe Grüße von Christel

    1. Guten Abend liebe Christel
      herzlichen Dank für Deinen Kommentar. Ja, der Ramadan verbindet die Moslems der Welt miteinander. Globus umspannend wird jetzt gerade gefastet, gebetet und Abends zusammen gegessen. Ein schöner Gedanke, nicht?
      Friede und Eintracht auch Dir liebe Christel
      Mme Ruth

  2. Liebe Ruth

    Danke. Du hast mir schöne Einblicke in den Ramadan gewährt.

    Ich hoffe es geht dir auch gut und grüsse dich herzlich aus der regenreichen Schweiz. Trudi

    1. Liebe Trudi
      Herzlichen Dank für Deine Worte. Ja, es geht mir gut. Bald beginnt die Regenzeit. Es wird langsam heiss. Ich hoffe, wir werden nicht zu viel Wasser bekommen, letztes Jahr gab es grosse Überschwemmungen.
      In der Hoffnung, dass es euch gut geht, sende ich sonnige und warme Grüsse aus Dakar
      Eure Mme Ruth

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