WASSER, WASSER, WASSER?????


ES IST VORBEI!!!!!!!

Ich bin ganz perplex. Die letzten 10 Tage erscheinen mir wie ein Alptraum. Wie haben wir DAS überlebt? Einfach unglaublich, wir hatten während 10 Tagen praktisch überall in Dakar kein Wasser! Seit gestern nun ist das Leitungswasser wieder zurück. Und sofort scheint die ganze Geschichte unwirklich, irreal. Habe ich wirklich 10 Tage lang meine Haare nicht gewaschen und statt geduscht nur Katzenwäsche gemacht? Wie habe ich das in dieser Hitze überhaupt ausgehalten?

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Behelfsbrunnen am Strand, in denen mühsam etwas Wasser, halbwegs salzfrei, gewonnen wird.

  

Dakar bezieht sein Wasser aus dem grossen See „Guier“ im Norden des Landes. Zwei Pipelines führen das Wasser in der Grossstadt. Die ältere, kleinere wurde nicht betroffen, so dass einige wenige Quartiere, wie auch das Zentrum, Wasser hatten. Die neuere, grosse Pipeline war mit schlechtem Material gebaut, nicht entsprechend gewartet worden und konnte dem grossen Druck der Pumpen nicht mehr standhalten. Sie explodierte. So kam es, dass der grösste Teil von Dakar plötzlich und nachhaltig kein Wasser mehr erhielt.

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Adama und Ibra beim Wasser entladen, nach erfolgreicher Suche ausserhalb von Dakar.
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Die Ausbeute…..

 

Nach den ersten 4 Tagen waren meine 2‘500 Liter Reserve aufgebraucht, so dass ich täglich stundenlang mit Adama und seinem Auto in Dakar herumfuhr um Wasser und Mineralwasser zu suchen. Natürlich waren nach ein paar Tagen die Mineralwasser Vorräte ausverkauft. Nachschub gab es kaum, da die Produktion und die Zulieferung der ungeheuren Nachfrage nicht nachkamen. Einer der Mineralwasserproduzenten weigerte sich sogar mir Mineralwasser zu verkaufen, da ich nicht Kundin bei ihnen war. Die ersten Tage dachten wir, dass das Wasser sicher bald wieder kommen würde, doch Tag um Tag verging, ohne dass Linderung kam. Ich kaufte eine weitere 250-Liter-Wassertonne, die füllten wir aus den Kanistern und der 50 Litertonne, in denen wir mit Adama Wasser holten. Leute in Quartieren die noch Wasser hatten, verkauften uns immer wieder etwas. Oft mussten wir jedoch aus Dakar heraus fahren, um das kostbare Nass zu bekommen. Erstaunlicherweise blieben die Preise im einigermassen vernünftigen Bereich. Ab dem 4. Tag gab ich Anweisung, zum Putzen kein Wasser mehr zu benutzen. Ich konnte zum Glück genug Mineralwasser kaufen, so dass wir dieses trinken, damit kochen und auch unser Geschirr damit abwaschen konnten. Am 6. und am 7. Tag regnet es abends stark. Wir fingen das Regenwasser aus unserer Terrasse auf. Damit konnten wir am folgenden Tag das Haus putzen und ein paar Sachen auswaschen. Dann, nach 8 Tagen kam das Wasser immer nachts für ein paar Stunden. So konnten wir unsere Reserven halbwegs auffüllen.

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Tropf um Tropf wird in den Eimer gefüllt….

 

In den betroffenen Quartieren, inklusive Parcelles assainies, sah ich die Menschen mit Kanistern und Plastikbecken herumlaufen. Bei den Pumpen bildeten sich lange Schlangen von Plastikbehältern und deren Besitzern. Diese warteten stundenlang, da das Wasser sehr, sehr spärlich floss und oft mussten viele wieder unverrichteter Dinge nach Hause gehen. Viele fanden sich bereits um 04h morgens bei diesen Pumpen ein. Andere machten das Geschäft ihres Lebens, indem sie mit ihren Kanistern Wasser holten, dann den Häusern nachgingen und das Wasser verkauften.

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Es hat geregnet, wir fangen das Wasser aus der Abflussrinne in unseren Becken auf.

 

An unserem Strand wurden unzählige tiefe Löcher gegraben. Geduldig filterten und schöpften die Menschen stundenlang Wasser aus diesen Behelfsbrunnen. Wenn ich morgens zum Strand ging, besuchte ich diese Löcher und plauderte mit den Frauen, die Wasser schöpften. Erstaunlicherweise traf ich dort auf gute Laune. Sie waren erstaunt, dass auch ich, die Toubab, kein Wasser hatte. Dann forderten sie mich auf, mit meinem Kanister ebenfalls zum Wasserloch zu kommen. Wir lachten. Eine der Frauen stand auf, begann den „Ventilator“ zu tanzen und stiess mich dabei mit ihrer Hüfte an. Ich tanzte mit. Lachen, Händeklatschen, Fröhlichkeit. Dies mitten in einer Katastrophe! Beschwingt und fröhlich ging ich wieder nach Hause.

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Unser Putz-Regen-Wasser

 

All diese Wasservorkommen (Wasserlöcher, Pumpen) brachten Wasser mit zweifelhafter Qualität hervor. Aber viele der Betroffenen hatten nicht die Mittel, sich Mineralwasser zu kaufen, ausserdem gab es bald auch keins mehr in den Läden. Um das Wasser trinken zu können, gaben sie Javelwasser dazu. Ich befürchte Krankheiten, welche sich ausbreiten werden. Sicher auch auf Grund der zwangsläufig mangelnden Hygiene. Die Prioritätenliste ist klar: 1. trinken, 2. sich waschen, 3. Wäsche waschen, 4. das Haus putzen. Wie lange reicht ein 30-Liter-Becken für eine 20-köpfige Familie? Es ist ein harter Job, so viel Wasser von weit her auf dem Kopf nach Hause zu tragen! Wenn ich diese Menschen sich abrackern sehe, möchte ich am liebsten nur noch heulen!

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Geduldiges Warten, dass die Becken voll werden.

 

Dann endlich ist die Pipeline fürs erste notfallmässig repariert. Das Wasser fliesst wieder! Wunderbar!

Es wäre eine Illusion, zu glauben, dass damit alles geregelt ist. Die ganze Pipeline ist in einem desolaten Zustand. Sie muss gründlich überholt werden. Um kein Risiko einzugehen, laufen nicht alle Pumpen, das heisst der Druck ist zu niedrig. Nicht alle Quartiere in Dakar haben Wasser. Vor allem höher gelegene Quartiere und Stockwerke haben nach wie vor kein fliessendes Wasser. Immer noch rennen viele mit Plastikbehältern herum. Wir haben Glück, unser Haus befindet sich auf Meereshöhe.  

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Regen in der Nacht. Die Jungs machen sich einen Spass daraus, mitten in der Nacht Regen aus der Abflussrinne in unsere Becken zu füllen.

Ruth Isenschmid, Dakar 06.10.2013

9 Gedanken zu “WASSER, WASSER, WASSER?????

  1. Guten Morgen Ruth, Salamualaikum!
    Liebe Ruth, was ist Javelwasser? In Ihren Beitrag habe ich davon gelesen.Ich bin so froh,dass das Wasser wieder fließt!!!!!
    Ich möchte ganz Dakar dazu gratulieren!Ganz liebe Grüße und ein gutes Opferfest heute wünsche ich Ihnen, Ihrer großen Familie
    und allen anderen – Christel-
    PS: kennen Sie die Geschichte vom „Opferfest“ ?

  2. Liebe Christel
    Ja, wir sind froh, dass wir im Moment Wasser haben. Es wird wohl noch weitere Unterbrüche geben, da die Leitung repariert werden muss. 😦 Hoffentlich nicht so lang!
    „Eau de javel“ ist Chlorwasser. Es wird zum densinfizieren und auch zum bleichen gebraucht. Ist hier in jedem Haushalt zu finden, da es auch dem Putzwasser, vor allem für die Sanitäranlagen, zugegeben wird.
    Meinen Sie die Geschichte von Abraham, der von Gott den Auftrag erhielt, seinen Sohn zu opfern? Gott wollte ihn prüfen. Danach war er zufrieden mit einem Hammel aus Abrahams Herde. Das wird nun jedes Jahr zelebriert. 🙂
    Auch Ihnen alle Gute und herzliche Grüsse
    Ruth

    1. Liebe Ruth,
      danke für Ihre Mail.Ja, die Geschichte meine ich.
      Danke auch für die Aufklärung,was Javel-Wasser anbetrifft.Hoffentlich landet das nicht wieder ins Grundwasser.
      Liebe Grüße und einen schönen Abend wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie – Christel –

  3. Hallo,liebe Ruth,bin mal wieder da.Ich hoffe,es geht Dir und Deiner Familie gut!Zum Thema Wasser: habe gehört,daß die reichen Araber am Golf ihr Wasser aus dem Meer nehmen und durch eine spezielle riesige Filteranlage jagen.Es soll daraus gutes Trinkwasser heraus kommen.
    Aber wer kann sich das leisten…
    Liebe Grüße zum 3. Advent und alles erdenklich Gute – Christel

  4. Kein Wasser, ein Alptraum für mich! Also für mich wäre das Trinkwasser am wichtigsten und nachher sich ein bisschen waschen (vor allem Zähne putzen! Haushalt kommt dann eher später dran .. ich hoffe das keine Familien jeweils unter Wassermangel leiden müssen. Viielen Dank Ruth, für diesen interessanten Bericht.

    1. Liebe Rosmarie

      Genau das war auch unsere Priaoritäten-Liste. Nur haben wir in der Regenzeit ziemlich extreme Klimabedingungen. Bei 35-40°C Muss man sich zumindes ein mal pro Tag „Katzenwaschen“ können. Und mit dem Sand überall, muss man auch viel öfter putzen als das z.B. in Europa der Fall ist.

      Ja, es war schlimm und sehr ermüdend und anstrengend immer genug Wasser zu bekommen, jeden Tag. Ich habe natürlich auch meinen Leute mit Wasser ausgeholfen, so gut ich konnte. Aber die Familien haben sehr gelitten und viele sind krank geworden.

      Danke für Deine Anteilnahme. Wir hoffen sehr, dass sich das nicht wiederholt. Bisher geht es recht gut. Und meine 3000-Liter-Reserve hilft auch bei kleinen Engpässen.

      Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag und vielen Dank, dass Du reingeschaut hast.

      Mit lieben Grüssen, Mme. Ruth

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