Brief an Mami Ruth


Meine allerliebste Mami Ruth

Bald wirst Du eine kleine Schwester haben. Sie kann jetzt jeden Moment zur Welt kommen. Darum bist Du mit Deiner Mutter weggezogen. Ich werde Dich nicht mehr so oft sehen. Das ist nicht leicht. Du fehlst mir. Dein Lachen, Dein Plappern und sogar Deine trotzigen Wutanfälle fehlen mir. Ich frage mich täglich, wie es Dir wohl geht, was Du gerade machst.

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Bereits an Deinem zweiten Erdentag durfte ich Dich in meinen Armen halten. Damals warst Du so klein, so zart und federleicht. Unvorstellbar, wie aus einem so kleinen Wesen ein ganzer Mensch werden kann. Obwohl ich doch auch selber Kinder grossgezogen habe, ist so ein kleines Neugeborenes für mich immer wieder ein Wunder. Da ist einfach alles dran, alles ist perfekt. Der ganze kleine Mensch ist bereits sichtbar.

Ein Kind Afrikas. Daher war mir, nebst vielem Vertrauten auch einiges fremd. Auch warst Du noch nicht wirklich schwarz. Das ergab sich erst in den folgenden Tagen. Deine Mama hatte Dir die Augenbrauen bemalt, um Dich hübsch zu machen. Du warst an Armen und Beinen mit „Grigris“ (Zauber-Amuletten) behangen, die Dich vor dem Bösen beschützen. Auch wurden Deine Ohren bereits durchlöchert, damit Du gleich am Anfang Deines Lebens Ohrschmuck tragen kannst. Andere Sitten, andere Bräuche. Aber vor allem warst Du ein wunderschönes Baby!

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Ich durfte Dich Deine ersten 3 Jahre ganz nah begleiten. Durfte Deine Fortschritte bestaunen und mich daran erfreuen. Ich war begeistert, als Du das erste Mal alleine aufrecht sitzen konntest, als Du anfingst herum zu krabbeln. Dein erstes Wort war baba. Dann kam schon bald Aika, der Name unseres kleinen Hundes, den Du bald innig liebtest und dem Du eifrig nachgekrabbelt bist. Später gingst Du mit Ibra und mit Aika an den Strand spazieren. Dabei durftest Du stolz die Leine halten.

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Du kamst oft in mein Büro, um mit mir zu spielen, zu malen oder Dich mit Deiner Puppe zu beschäftigen. Wir haben zusammen in Französisch-und Wolof-Kauderwelsch geplaudert, denn ich kann leider nur ein paar Brocken Wolof. Du hast mir jedoch neue Wörter beigebracht und dabei auch gleich die ersten Worte Französisch gelernt. Oft hast Du Dich auf das Sofa gekuschelt, während ich arbeitete und schliefst dabei ein. Dann wieder wolltest Du dir unbedingt den Zeichentrickfilm „Kirikou“ ansehen. Oder Musikvideos, am liebsten mit Sabar- oder Mbalak-Musik. Manchmal hast Du dann auch dazu getanzt. Oft hast Du mich mit Deinen kurzen Armen innig umart und gedrückt, um mir Deine Zuneigung zu zeigen.

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Ja, Du hast mir in diesen ersten 3 Jahren Deines Lebens sehr oft das Herz erwärmt, mich zum Lachen gebracht, mir Dein Lächeln geschenkt. Ich vermisse Dich und deine Lebhaftigkeit. Ich wünsche Dir alles Liebe und Gute für die Zukunft und hoffe von ganzem Herzen, dass ich Dich ab und zu wieder sehen darf.

Ich habe Dich ganz, fest lieb , Deine Patin, Tata Ruth

4 Gedanken zu “Brief an Mami Ruth

  1. Liebe Ruth
    Da spricht das liebende Herz einer „Grossmutter“. Ich habe inzwischen drei Grosskinder und kann Deine Gefühle sehr gut nachvollziehen. All das Gute was Du gegeben hast und noch geben wirst landet unlöschbar auf fruchtbarem Boden. Da kann man gespannt und mit Freude darauf warten, wie viel Gutes einmal von dieser jungen Frau (ich gehe davon aus, dass es ein Mädchen ist) zu Dir zurückkommen wird.
    Herzliche Grüsse René

  2. Lieber René
    Herzlichen Dank für Deine Worte. Ja, „Grosskinder“ sind wirklich ein Geschenk des Himmels. Jetzt dürfen wir von Herzen auskosten, was wir als Eltern nicht durften….. 😉
    Weisst Du, ich muss gar nichts zurück bekommen, später. Ich habe bereits alles, was ich brauche. Wenn dieses Kind seinen Weg macht, ist es für mich die grösste Freude. Wenn ich dabei helfen kann, dann ist es gut. Warum sich das Leben verkomplizieren mit Erwartungen und dem vielleicht später mal…
    In diesem Sinne einfach „es grosses Ärfeli“ an Dich in die Schweiz! Schön, dass es Dich gibt!
    Deine Mme Ruth

  3. Liebe Ruth

    Dein Brief berührt mich sehr und ich verstehe deine Gefühle. Es war so schön bei dir und mami im Februar. Sie ist ein sehr liebes und hübsches Kind und hat dich eindeutig sehr gern. Jetzt wird wieder ein neuer Mensch dazukommen und du kannst wieder Liebe geben.

    Ich wünsche dir von Herzen alles Gute und auch René lässt dich herzlich grüssen.
    Herzlich Trudi

    1. Meine liebe Trudi
      so finde ich Dich wieder! Wunderbar!!!!
      Ich hatte die E-Mail-Adresse von René verloren. Bei einem PC-Absturz. Auch sonst konnte ich sie nirgends mehr finden. Jetzt schreibst Du mir einen Kommentar. So schön!!! 😀
      Ja, Du hast recht. Nun ist Oumi, eine ehemalige Angestellt wieder bei uns. Mit ihrer kleinen Tochter Yaya, die noch nicht ganz 2 Jahre alt ist. Langsam, ganz langsam freunden wir beide uns an. Heute kam sie schon mit mir spazieren. Du siehst, das nächste Menschlein ist schon gekommen! 😀
      Ich hoffe sehr, dass es Euch gut geht! Noch eine Bitte habe ich an Dich: Wenn Ihr meine E-Mail-Adresse noch habt, schreibe mir doch bitte eine E-Mail. Wäre schön, wenn ich wieder eine Kontaktmöglichkeit habe!
      Sei nun lieb gedrückt und grüsse mir auch den René
      Bis bald und sonnige Grüsse, Deine Mme Ruth

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